Tim-Oliver Schulz am 30. Juli 2009

Fahrradstraße in BraunschweigSeit längerem ist hier nicht mehr viel passiert, weil ich momentan mehr Energie in unsere Haussanierung als in Artikel stecke. Doch was ich heute nach der Arbeit unter meinem Scheibenwischer fand, brachte mich so auf die Palme, dass ich dazu unbedingt einen Artikel verfassen musste… wenn auch mal wieder etwas abseits der sonst üblichen Themen.

Unter dem Wischerblatt klemmte ein kleines Falblatt mit dem Titel “Fahrradstraßen in Braunschweig”. Auch alle neben mir parkenden Autos hatten die kleinen Zettel unter dem Scheibenwischer… Neugierig sah ich mir das Infoblättchen an und Zeile für Zeile stieg nicht nur mein Unverständnis sondern auch der Ärger über diese Art der Verkehrsführung…

Für die, die noch nicht wissen was eine Fahrradstraße ist:

Wird eine Fahrbahn als Fahrradstraße gekennzeichnet, so steht diese primär dem Radverkehr zur Verfügung. Sie dürfen nebeneinander fahren, das Tempo vorgeben und alle anderen Kraftfahrzeuge müssen sich danach richten, falls sie überhaupt die Straße befahren dürfen. Das Faltblatt für das TU Gebiet gibt es mit allen Infos hier als PDF-Download.

Als Pilotprojekt wurden diese Fahrradstraßen im Unigebiet der TU eingeführt. Für die vielen fahrradfahrenden Studenten garantiert eine super Sache! Jetzt werden diese Sonderstraßen allerdings über Braunschweig ausgeweitet, mit dem Ziel den Radverkehr zu fördern und zu verstärken.

Klingt doch bisher super oder? Also warum regt sich der Typ dann so darüber auf?! Ganz einfach:

In Braunschweig ist nicht nur das Fahrradaufkommen recht groß, sondern auch das der Kraftfahrzeuge. Für mich als Berufspendler ist es sowieso schon immer ein Akt alle militanten Radfahrer im Auge zu behalten, die sich sowieso an keine Verkehrsregeln halten.

Hat für Dich schonmal ein Radfahrer an einem Fußgängerüberweg angehalten? Siehst Du!

Wenn man die Verkehrsregeln schon für Fahrradfahrer nicht überwachen kann, dann führt man halt Fahrradstraßen ein, auf denen dann einfach für Radfahrer alles erlaubt ist! Die Leidtragenden sind mal wieder alle Kraftwagenfahrer die jetzt noch stärker aufpassen müssen als vorher und das auf eine Bande die dort eh alle Freiheiten hat. Passiert was, bekommt der Kraftwagenfahrer Schuld, weil ja groß und breit “Fahrradstraße” angeschlagen steht.

Was bei mir aber ein noch größeres Unverständnis hervorruft, ist die Tatsache welche Straße zur Fahrradstraße umfunktioniert werden wird: die Adolfstraße. Genau dort fand ich heute Abend vor der Agentur auch das Infoblatt. Dort heißt es, Zitat: “[...] die gesamte Fahrbahn wird Radweg. Dies kann dort erfolgen, wo der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist.”

Wie bitte? Die vorherrschende Verkehrsart sollen in der Adolfstraße Fahrradfahrer sein? Oder man erwartet etwa das sie es wird?! Vielleicht sollte man den Wahlaktionisten, die diese Schilder dort aufstellen ließen mal sagen, was in der Adolfstraße alles ansässig ist. Neben einigen Werbeagenturen, einer Ballettschule, Architekten sind auch unzählige Arztpraxen in der Adolfstraße vertreten.

Dass man versucht die ersten drei Gruppen dazu zu bewegen auf das Fahrrad umzusteigen kann ich ja vielleicht noch verstehen. Bei Berufspendlern von außerhalb wird es dort schon etwas schwieriger. Noch schwieriger wird es im täglichen Kundengeschäft der ansässigen Büros. Soll man seinem Kunden sagen “Hey wir haben doch jetzt eine Fahrradstraße bekommen - Meetings finden ab jetzt immer in Radlerhose statt! Außerdem finden Sie neue Fahrradständer vor dem Eingang!”

Dass von den “Ballettdamen” niemand mit dem Fahrrad kommt ist immer ein schönes Schauspiel, wenn die Mütter nach dem, nennt man es Training(?), mit den Autos Schlange stehen und die Adolfstraße verstopfen, um ihre kleinen Prinzessinnen vom Schwanensee zu fischen…

Und der Consultant von der Ecke wird keineswegs wegen einer Fahrradstraße vor seiner Haustür seinen dicken Audi A8 gegen ein Fahrrad eintauschen…

Ich möchte einfach mal behaupten, dass weit mehr als ein Drittel des täglichen Verkehrsaufkommens in der Adolfstraße allein durch die Patienten der Arztpraxen zu stande kommt. Und da hört bei mir das Verständnis zur Einrichtung einer Fahrradstraße auf! Versucht hier etwa die Stadt Braunschweig kranke und alte Menschen den Weg zum Arzt mit dem Fahrrad schmackhaft zu machen?! Soll der 75 jährige Rentner seine kranke Frau vielleicht mit dem Tandem zum Arzt bringen?

Ich sehe hier absolut keinen Grund für die Einrichtung einer Fahrradstraße in der braunschweiger Adolfstraße, da die im Faltblatt angesprochenen Gegebenheiten hier einfach nicht zutreffen.

Vielleicht eher Tempo 30?
Gegen eine Tempo-30-Zone würde weitaus weniger sprechen. Zumal das Tempo in der Adolfstraße sowieso schon gering ist, weil eh jeder einen Parkplatz sucht. Von einer Tempo-30-Zone würden auch die Schüler des nahen Gymnasiums profitieren, die dazu noch lernen sich in normalem Straßenverkehr korrekt zu verhalten. Zumal die Schüler eh nur zu bestimmten Stoßzeiten mit dem Fahrrad durch die Adolfstraße fahren.

Ich sehe eher die Gefahr darin, dass die Schüler die Fahrradstraßenfreiheiten auf den normalen Straßenverkehr übertragen. Das führt zu noch mehr Leichtsinn -> Steigerung der Unfälle außerhalb der Fahrradfahrerfreiheitszonen -> Errichtung neuer Fahrradstraßen -> ein Teufelskreis?!

Weitere infos findest Du auch bei der Stadt Braunschweig.

Wie denkst Du über das Thema? Sind diese Fahrradstraßen sinnvoll? Gibt es bei Dir evtl. auch so eine Einrichtung? Ich bin über Kommentare dazu gespannt, wie Du die ganze Sache siehst.

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Ein Kommentar zu “Fahrradstraßen in Braunschweig - Sinn und Unsinn”

  1. Hallo Tim,

    ich verstehe garnicht wieso du dich so aufregst und alle Radfahrer über einen Kamm schärst. Bekloppte Radfahrer gibt es denke ich genauso viele wie bekloppte Autofahrer. Denn fahre mal mit deinem Fahrrad über den Östlichen Ring, dort musst du Regelmäßig eine Vollbremsung machen da die Autofahrer (überwiegend Frauen oder junge Fahrer) einfach über den Radweg bügeln.
    Da in der Adolfstraße sowieso wenig Fahrradfahrer unterwegs sind, sollte dies ja dann für Dich auch kein Problem sein.

    Blödsinn mit deinem Teufelskreis denn es ändern sich doch nur 2 Dinge.
    1. Radfahrer fahren nun regelmäßig auf der Fahrbahn nebeneinander (dies Erlebe ich als Autofahrer auch auf anderen Straßen)

    2. Das Tempo bestimmen die Radfahrer:
    Als Autofahrer müssen Sie auf den Radverkehr besondere Rücksicht nehmen. (Das war auch schon immer so denn die sind halt schwächer)
    Auch ohne Radfahrer vor Ihnen gilt:
    nur mit mäßiger Geschwindigkeit fahren 25-30 km/h. (mehr war bei den Straßen auch vorher nicht drinn)

    Wenn du dich über die verschwendete Kohle aufregen würdest, könnte ich deinen Ärger verstehen aber so.

    Gruß Steffen

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