Tim-Oliver Schulz am 28. November 2008

Als ich Anfang der Woche den Briefkasten aufmachte, lag da der oben abgebildete Flyer drin. Verärgert über die vielen Werbesendungen war mein Ziel die Altpapiertonne… Doch bevor der Flyer darin verschwand, fiel mein Blick auf den Kartenleser, der darauf abgebildet ist. Nun, was hat die Post mit einem Kartenleser zu tun und warum wollen sie mir den kostenlos schicken?

Auf den ersten Blick konnte ich den Sinn der Aktion nicht wirklich rausfinden. Auch der Text ist weniger aufschlussreich. Bisher stand fest, die schicken mir den Kartenleser und die passenden Karten und ich bekomme Rabatte… klingt doch toll oder?

Ich wollte etwas genauer wissen, was dahinter steckt und habe mal auf der Internetseite der Post geforscht. Dort gibt es auch direkt noch eine kleine Flash-Präsentation, wie die Aktion funktionieren soll. Auch die Suche spuckte ein paar Ergebnisse aus.

Zunächst hielt ich die Aktion für einen Witz… ich soll mir doch tatsächlich dieses Lesegerät bestellen und mir regelmäßig Karten schicken lassen, damit ich darüber Zugang zu einer “exklusiven” Clevercardseite bei einem Werbepartner erhalte?!

Wow! Das ist innovativ! Ein analoger Newsletter, der trotzdem die Verlinkung ins Internet ermöglicht! Na gut, der kann wenigstens nicht im Spam-Ordner landen… allerdings landet der Krempel irgendwann in der Mülltonne! Und zwar in einer realen Tonne die im Gegensatz zum Spam-Ordner nicht ganz so umweltfreundlich ist…

Ich stelle mir die Frage, ob die Clevercard dem Nutzer(!) einen Vorteil bringt!? Hier mal ein Vergleich.

Clevercard:

  1. Clevercard aus der Briefhülle befreien
  2. PC (Mac geht nicht) starten
  3. Kartenleser anschließen
  4. Karte reinstecken
  5. Seite ansehen, die die Clevercard hoffentlich geladen hat

Newsletter:

  1. eMail per Klick öffnen
  2. Link zum Angebot anklicken - fertig (funktioniert auch auf dem Mac)

Also welche Vorteile hat der Nutzer durch die Clevercard?

Er benötigt mehr als doppelt so viele Schritte, bis er beim Angebot ist, als wenn er einen Newsletter bekommen würde. Zudem könnten auch Mac-Benutzer von den Angeboten profitieren, wenn die Aktion als Newsletter rausgehen würde…

Nächste Frage: An wen richtet sich die Clevercard?

Hier möchte ich einfach mal behaupten, dass dem fortgeschrittenen Internetnutzer dieses Verfahren zu aufwendig wäre und er einen Newsletter vorziehen würde! Wie wäre es mit dem Gelegenheitssurfer, der evtl. verunsichert ist, wenn er Links aus Newslettern öffnen soll? Das könnte klappen, weil er ja aktiv keinen Link klickt… Einziges Problem, die Clevercard benötigt mindestens eine ISDN Verbindung. Hm, hat der Gelegenheitssurfer sowas? Ich wäre mir da nicht so sicher.

Interessant wird es allerdings, wenn man sich mal die Informationen zu “Wie kann ich die Clevercard für Werbung und Marktforschung nutzen?” ansieht! Mein Lieblingssatz: “Besonder effizient ist die Clevercard, weil sie zugleich umfassende Nutzungsergebnisse dokumentiert. Damit besitzen Sie ein enorm wichtiges Marktforschungstool.” Zitat Ende!

AHA! Da würde ich ja gerne mal genauer wissen, was die kleine Karte so an Daten rausschickt, wohin die Daten gehen und vor allem was kommt vom Rechner gleich noch alles mit?!

Die Post geht davon aus, dass bis zum Herbst 2008 500.000 Kunden so ein Lesegerät besitzen und nutzen.  Für einen Werbepartner kostet eine Werbeaktion mit der Clevercard inkl. Programmierung, Druck, Adresslieferung, Tracking und Mailing mit der Post 0,25 EUR pro Clevercard. Das macht bei den 500.000 Adressen 125.000 EUR! Kann mir jemand sagen, was im Vergleich dazu ein Newsletter-Mailing kosten würde?

Klar, ein Newsletter ist keine Drucksache und das haptische Erlebnis für den Nutzer fehlt… Aber warum sollte ich 125.000 EUR für eine Mailingaktion ausgeben, wenn ich vorher nicht mal genau weiß, ob meine Zielgruppe überhaupt ein solches Gerät hat?!? Wie will die Post wissen, was ich für Interessen habe, damit sie mir auch sinnvolle Angebote schicken kann? Danach wird bei der Bestellung des Starterpaketes nicht gefragt. Will man hier bloß Massen erreichen um den Werbepartnern mehr Adressen liefern zu können?

Sind diese 500.000 Adressen für mich als Werbepartner dann überhaupt interessant? Schicke ich einen Newsletter, greife ich auf einen Datenbestand von Interessenten zurück, die sich ja auch noch extra dazu angemeldet haben Informationen zu erhalten!

Wenn ich mir diese Aktion so ansehe, möchte ich behaupten, dass die Clevercard sowohl für Kunden, als auch für Werbepartner uninteressant ist. Sei es, weil die Handhabung zu kompliziert ist, oder die Adressen evtl. nicht rentabel genug sind. Ich werde jedenfalls die Seite www.deutschepost.de/clevercard mal im Auge behalten und sehen was sich dort in nächster Zeit tut.

Was denkst Du dazu? Siehst Du das ähnlich oder könntest Du Dir vorstellen, dass die Aktion ein Erfolg wird?

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7 Kommentare zu “Clevercard - Ein Konzept von Deppen?”

  1. Hmm, auch bei näherer Betrachtung erscheint mir diese “clevere” Karte wirklich absolut überflüssig zu sein.
    Das klingt echt nach einer Idee, die irgendwelche Hinterzimmer-analysten der Post sich ausgedacht haben und auf dem Papier für die wohl auch “total klasse” aussah. Zumindest haben sie ihre Bosse offenbar davon überzeugen können, wenn jetzt schon Werbebroschüren verschickt werden…
    Aber in der Praxis ist das ganze ja wirklich eher überflüssig. Ein spezielles USB-Gerät für einen simplen Link zu den tollen “exklusiven” Partner-Seiten dieser Karte?
    Nee, das ist mir zu umständlich. Von daher ist es wirklich eine gute Frage an wen dieses Angebot gerichtet sein soll.
    Na ja, mal sehen ob man davon demnächst nochmal mehr hört oder ob die sang und klanglos wieder in der Versenkung verschwindet :-)

  2. Nunja,

    natürlich halte ich die Karte an sich ersteinmal für absolut sinnfrei.

    Aus Sicht der Werbestrategen kann das ganze jedoch interessant werden, sowie eine spezifische Karte 1:1 einem Interessenten/Kunden zugeordnet werden kann.

    Ich denke mal, das steckt dahinter: Die Anonymität (sofern es sie noch gibt) wird durch die Karte komplett aufgegeben. Und die Post als Eigentümer des besten Adresspools in D ist vermutlich der beste Partner für eben diese Werbestrategen…

  3. @Sascha: Klar ist die Post als Adress-Pool interessant! Nur leider grenzen sie ihren Pool auf den Kreis von Kartenleserinhabern ein…

    Die 1:1 Zuordung würde sich auch super in nem Newsletter unterbringen lassen, schön “versteckt” im Link…

  4. Der Unterschied ist in der 1:1 Zuordnung zu “echten” Adressen und nicht zu der n-ten e-mail-Adresse…

  5. Liebe Deutsche Post Ag ;-)

    Habe soeben eure CleverCard ausprobiert und gründlich begutachtet.

    BITTE BITTE wenn Ihr euren Volltrotteln von Entwiklern dafür auch noch Lohn Zahlt überweisst es auf mein Konto da ist es sicherrer Angelegt ;-)

    Mir würden auch solche Dinge einfallen wie ……….

    Digitalen Code auf jeder Briefmarke
    IO Codes auf Päckchin damit der Empfänger seine Werbung auch jaaa 5 mal bekommt
    Nein Moment besser lasst uns gleich eine Sammel Aktion an Kohlestaub Müll Sammeln und auf dem nächsten Bio Bauernhof ausschütten .
    Ohh nee , noch Besser Noch nen Fingerabdruckscanner für jeden Kunden der Deutschen Post um zugang zum Clever Card Konto zu bekommen wo ich dann V.I.P. Rechte für 18+ Produkte bekomme ……….
    Nein STOP jetzt hab ichs ES IST MÜLL ^^

    Liebe Grüße ;-)

  6. [...] sehen die meisten anderen Clevercard Nutzer (insgesamt sind es 500.000) auch so.  Einzig Dennis findet es “eine tolle [...]

  7. [...] sehen die meisten anderen Clevercard Nutzer (insgesamt sind es 500.000) auch so.  Einzig Dennis findet es „eine tolle [...]

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